Grancey-le-Château – Épagny (41,4 km)

Grancey-le-Château – Épagny

Eigentlich wollte ich ja heute meine Wade schonen und deshalb nur knapp dreißig Kilometer gehen. Aber die hiesigen Hoteliers haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und mich in die Verlängerung geschickt. Beide Hotels in Is-sur-Tille hatten (ab) heute geschlossen. Aus dieser misslichen Situation hat mich meine Liebste gerettet, indem sie mir kurzerhand in Épagny ein Hotelzimmer reserviert hat. So hatte ich zumindest ein sicheres Ziel für die ungeplanten zusätzlichen vierzehn Kilometerchen.

Der Tag fing mit einer wunderbaren Nebelstimmung an. Hoch am Himmel stand noch der fast volle Mond. Erst sah es so aus, als wollte es überhaupt nicht hell werden. Der dichte Nebel schluckte die zarte Morgendämmerung fast vollständig. Erst als die Sonne über dem Horizont war, riss der Nebel auf und war dann in kurzer Zeit verschwunden. Zuvor hatte er aber noch mit feinen Wassertröpfchen die Netze der Spinnen besonders zauberhaft sichtbar gemacht.

Überhaupt sehe ich in diesen frühen Morgenstunden sehr viele Tiere. Rehe sind ja kaum noch erwähnenswert; man sieht sie ja mittlerweile allenthalben, selbst in unmittelbarer Nähe von Siedlungen. Seltener bekommt man Füchse zu sehen; ich begegne ihnen hier fast täglich. Noch scheuer sind die Wildschweine; meist riecht man sie, ohne sie zu sehen. Gestern ist mir ein ziemlicher Brocken über den Weg gelaufen. Und heute bekam ich sogar einen Dachs zu Gesicht; den hatte ich bisher in freier Wildbahn noch nie gesehen. Für ein Foto war er natürlich viel zu schnell wieder weg.

In meiner Verlängerung konnte ich noch einige Jungs beim Motocross beobachten, wie sie halsbrecherische Sprünge vollführten. Ein ehemaliger Steinbruch war zu einem riesigen Parcours umgestaltet worden und diente ihnen als Trainingsstrecke.

Mein heutiges Hotel war bei meiner Ankunft ebenfalls verschlossen und wirkte ausgestorben. Mir rutschte schon das Herz in die Hose. Aber meine Liebste hatte ja reserviert und auch eine Bestätigung erhalten. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und auch tatsächlich einen jungen Mann gefunden, der mir mein Zimmer zuwies und sich obendrein bereiterklärte, mir etwas zu essen auf mein Zimmer zu bringen. Denn das Restaurant des Hotels hatte – wie sollte es auch anders sein – geschlossen. Bis auf die etwas gewöhnungsbedürftige Farbgebung des Zimmers fühle ich mich nun frisch gewaschen und gut gesättigt rundum wohl und freue mich schon auf morgen; dann geht’s nach Dijon.