Rognes — Saintes-Maries-de-la-Mer

34. Tag, 103 Kilometer, 430 Höhenmeter

Gestern vergaß ich ganz zu erwähnen, dass wir die 3000-Kilometer-Marke überschritten hatten. Mittlerweile sind wir bei 3150 Kilometern angelangt, und bis wir in Scholen zurück sind, werden wohl noch knapp zweitausend dazukommen.

Auch heute hatten wir mit dem Wetter wieder unverhofftes Glück! Trotz angekündigten Regens sind wir den ganzen Tag trocken geblieben. Dafür hat uns während der letzten dreißig Kilometer in der Camargue der sehr starke Westwind tüchtig zugesetzt. Wir konnten uns gegen ihn streckenweise nur mit zehn Stundenkilometer über Grund durchsetzen. So hat unsere Fahrt durch die einzigartige Landschaft doppelt so lange wie üblich gedauert und wir hatten viel Zeit, die Flamingos zu bestaunen, die ich meiner Liebsten versprochen hatte, um sie überhaupt in die Camargue zu locken.

Trotz der guten Wetterbedingungen hatte die heutige Etappe einige Herausforderungen zu bieten. Von Schiebestrecken über regelwidrige Bahnüberquerungen, übelste Schotterstraßen, Abschnitte mit tiefem Sand, vierspurige Schnellstraßen ohne Seitenstreifen, gefühlte tausend Kreisverkehre und eine Fähre über die Rhone war alles dabei. So fühlten wir uns ständig ausreichend gefordert und hatten nie Langeweile.

In Saintes-Maries-de-la-Mer angekommen fanden wir schnell ein nettes Hotel, haben uns dort kurz frisch gemacht und uns dann ins pralle Leben gestürzt. Wir haben nämlich das unerwartete Glück, just in der Woche der alljährlichen Marienwallfahrt des fahrenden Volkes hier zu sein. Das heißt: Eine Woche Halligalli in allen Gassen.

Aus Furcht vor Randalierern haben die Bars am Ort nicht nur vorzeitig geschlossen, sondern ihre Läden regelrecht verrammelt. Wir hatten Mühe, unser wohlverdientes 100km-Bier zu bekommen. Zwar haben wir nichts Übles erlebt, hatten aber angesichts der teils seltsam aussehenden Menschen mit unseren eigenen Vorurteilen zu kämpfen.

Der erste Abschnitt unserer Reise hatte uns vor zwölf Tagen nach Rom geführt, der zweite endet hier in Saintes-Maries-de-la-Mer. Morgen beginnt nun der dritte und letzte Teil unserer Rundfahrt, der uns wieder zurück nach Scholen bringen wird. So hieß es heute, vom Mittelmeer Abschied zu nehmen. Auf dieser Reise werden wir es nicht wieder sehen. Morgen früh geht’s stramm gegen den Wind nach Norden.

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