Triacastela – Portomarín (41,0km)

Aufgebrochen bin ich wie gewohnt um kurz nach sieben im Stockdunklen. Der ausgeschilderte Camino führte mich bei fast null Sicht durch den Wald. Nachdem ich an der ersten kräftigen Steigung eine Sechsergruppe von buspilgernden Stirnlampenterroristen locker abgehängt hatte, konnte ich den Rest des Weges bis Sarria unbehelligt von meinen Mitpilgern mein Ding machen. Hach, war das schön!

Galicien ist eine wirklich schöne Landschaft zum Gehen, leichte Hügel, viel Grün, von Natursteinmauern eingefasste Weiden, kleine, urige Dörfer, teilweise allerdings sehr heruntergekommen. Und wenn kein Gruppenstress da ist und der Pilger und sein Auge einfach nur nach Lust und Laune verweilen und genießen dürfen, ist’s nur schön.

Nach Sarria allerdings ging der Trubel erst richtig los! Jetzt kamen zu den ohnehin schon zahlreichen richtigen Pilgern und den unzähligen Pauschalreisen-Buspilgern noch die vielen spanischen Wochenendgelegenheitspilger hinzu. Ich glaube, dass es an einem schönen Sonntagnachmittag am Maschsee in Hannover nicht voller sein kann. Und da auf dem Jakobsweg zwar schon alles fotografiert ist, nur noch nicht von jedem, finden sich vor jedem nennenswerten Objekt ganze Trauben von Knipsbegeisterten ein. Gar nicht so leicht, trotz allem die dem Pilger gebührende Contenance zu wahren. In solchen Momenten fällt mir dann ein, dass ich eigentlich ganz dringend in Santiago ankommen möchte, und dann gebe ich entsprechend Gas.

So bin ich heute in Portomarín gelandet, einem Ort, dessen Kern mitsamt einer romantischen Kirche San Nicolas aus dem XII. Jahrhundert beim Anlegen des Belesar-Stausees im Jahre 1956 am Hang ein Stück höher höher komplett neu aufgebaut wurde. Der Stausee ist allerdings aktuell fast ganz leer, sodass man die alte Brücke und die Ruinen einiger Häuser bestaunen kann, was ich ausgiebig getan habe.

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