León – Hospital de Órbigo (36,0km)

Es kostet einfach Überwindung, morgens im Dunkeln bei strömendem Regen aufzubrechen! Und der Regen blieb auch heute den ganzen Tag mein Begleiter, auch wenn’s zwischendurch mal Pausen mit ein bisschen blauem Himmel gab.

Dafür ist die Streckenführung erfreulicher geworden. Es geht nicht mehr endlos an befahrenen Autostraßen entlang, und auch die Landschaft bietet etwas mehr Abwechslung. Und ganz erfreulich war, dass ich mich nach der Stadtgrenze von León beinahe völlig allein unterwegs fühlte; der Rest der Mannschaft hatte wohl mehr Pausen gemacht und lief offenbar hinter mir. Es ist schon schön, einen bis zum Horizont vollkommen leeren Weg vor sich zu sehen!

In Hospital de Órbigo habe ich direkt am Ende der alten römischen Brücke im Hostal ein Zimmer mit Blick auf die Brücke bekommen. Ein wunderschöner Ausblick trotz des Regens!

3 Kommentare

  1. Lieber Burkard, warum läufst du denn im Dunkeln los? Du schaffst doch sicher auch deine Kilometer, wenn du im Hellen losgehst ohne abends in die Dunkelheit zu geraten, oder? Erhöht sich deine Kilometerzahl pro Tag nun, da du fast am Ziel bist, so wie du am Anfang deines Pilgerns auch viel an einem Tag geschafft hast um schnell Abstand zu Scholen zu bekommen? Magnetische Wirkung der Anfangs- und Endorte, mal wegstoßend und mal anziehend? Am 4.7. bist du losgegangen, das ist jetzt 3 Monate her, unglaublich was du in der Zeit geschafft hast und unglaublich was in der Zeit bei deinen Lesern alles passiert ist bzw. sein kann. Es sind alles Wege, deiner ein spezieller, die anderen gehen durch ihren Alltag, ihre Arbeit, ihre Erlebnisse und ihre Beziehungen, alles Wege, die Kreuzungen haben und an denen man die Richtung neu entscheiden muss. Ich wünsche dir, dass du obwohl du das Ende nun herbeisehnst, die letzten Tage deines Weges genießt. Sie vollenden deinen mutigen Plan von einem Weitpilgerweg!
    Fröhliche Gedanken und wieder mehr Sonnenschein wünscht dir
    Gudrun

    1. Danke für Deine Frage, liebe Gudrun!

      Die habe ich mir tatsächlich schon länger nicht mehr gestellt, die Macht der Gewohnheit eben. Jetzt, da Du es wissen willst, habe ich nachgedacht und diese Antworten gefunden: Erstens sehe ich gerne den Sonnenaufgang und erlebe, wie der Tag langsam mit traumhaften Farben erwacht. Zweitens bin ich so zumindest in der ersten Stunde meistens allein auf dem Camino unterwegs. Und drittens mag ich das Gefühl, vor meinem Frühstück schon ein bisschen was geschafft zu haben.

      Ja, da hast Du wohl recht, dass jeder – auch die Daheimgebliebenen – seinen eigenen Weg geht. Und dass in vier Monaten mein spezieller Weg einen gewissen Abstand zu den Lieben in meiner üblichen Umgebung geschaffen hat, ist mir wohl klar. Ich bin gespannt darauf, diese verschiedenen Wege nach meiner Rückkehr wieder miteinander in Kontakt zu bringen.

      Danke für Deine nimmermüde Begleitung und Deine guten Wünsche!

      Herzliche Grüße aus dem völlig abgelegenen Rabanal del Camino
      Burkard

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