Reliegos – León (26,6km)

Heute Morgen musste ich meine ganze Motivation zusammensammeln, um überhaupt aufzubrechen. Draußen war’s noch stockdunkel, es regnete in Strömen und sollte auch den ganzen Tag so weitergehen. Außerdem schmerzte mein linker Fuß auf dem Spann sehr vernehmlich und zudem kündigte sich mit Halsweh und Rotznase ein zünftiger Infekt an. Ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Tag also!

Ich bin aber trotzdem losgegangen, und auch die gefühlten tausend Kilometer schnurgeradeaus an einer Landstraße entlang konnten mich – einmal in Bewegung – nicht mehr schockieren. Ich musste allerdings meinen Joker ziehen: Den Monteverdi Choir! Das erste Mal in all’ den 93 Tagen, habe ich meine Sennheiser-Ohrstöpsel zum Musikhören benutzt.

John Eliot Gardiner ist mit den Mitgliedern seines Monteverdi Choir anlässlich dessen vierzigjährigen Bestehens Teile des spanischen Jakobswegs gegangen. Unterwegs hat der Chor in Kirchen gesungen und nach seiner Rückkehr aus diesen Stücken die CD “Pilgrimage to Santiago” zusammengestellt. Die hat mich heute Morgen unterwegs verzaubert und dem miesen Wetter völlig entrückt.

In León hatte ich das Glück, mitten in der Innenstadt ein einfaches Hotel zu finden. Und kaum war ich in meinem Zimmer, brach in der Gasse vor meinem Fenster ein Volksfest los. Trachtengruppen zogen singend und musizierend durch die Innenstadt, zwischen ihnen wurden auf Ochsenkarren die landwirtschaftlichen Produkte der jeweiligen Region präsentiert. Das war schön bunt und munter! Und so hat der Tag, der so blöd anfing, dann doch noch für mich freundlich geendet.

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