Castrojeriz – Población de Campos (30,6km)

Die Meseta hat eine ganz besondere Atmosphäre, die sich stark auf mein Gehgefühl auswirkt. Durch die schier unermessliche Weite und die fast unheimliche Stille kommt mir die Bewegung beim Gehen richtig unwirklich vor. Einen Ort, den ich schon vor über einer Stunde deutlich vor mir gesehen habe, habe ich noch immer nicht erreicht. Die Sicht bei der klaren Luft und dem wunderbaren Wetter reicht sicher dreißig Kilometer weit, und auch weit entfernte Objekte scheinen zum Greifen nah.

Der Tag begann mit einem ordentlichen Anstieg, da Castrojeriz in einer über hundert Meter tiefen Senke unter dem Niveau der Meseta liegt, auf das wir erstmal wieder gelangen müssen. Die Bergwertung hat den Vorteil, dass ich die meisten Pilgerkollegen aus Castrojeriz hinter mir lassen kann und so die Meseta gefühlt wieder fast für mich allein habe. Ich schätze mittlerweile das Alleinsein und Alleingehen so sehr, dass ich keinen Wert mehr auf Gesellschaft lege und Anderen so gut es geht aus dem Weg gehe. Ab und zu ein kurzes Gespräch bei einer Pause reicht mir völlig.

Kurz nach Boadilla del Camino führt der Camino Francés am Ufer des Canal de Castilla entlang, einem Kanal aus dem 18. Jahrhundert, der ursprünglich für Getreidetransport gebaut wurde und inzwischen zur Bewässerung genutzt wird. Eine willkommene Abwechslung nach dem eintönigen Weg durch die Meseta!

In Frómista gab’s die wunderschöne romanische Kirche San Martín zu bewundern. Man hat sie im Zuge einer Grundrenovierung vor zwanzig Jahren von allen späteren Anbauten befreit und so den ursprünglichen romanischen Baukörper in voller Schönheit wieder hergestellt. Leider wirkt das Ding in seiner aktuellen Umgebung dadurch etwas deplatziert und steril.

Mein heutiges Etappenziel kam eher zufällig zustande. Frómista schien mir noch zu früh, und im nächsten Ort, obwohl dieser selbst nicht sonderlich attraktiv ist, bin ich auf ein nettes Hotel mit schönen Einzelzimmern zu günstigen Konditionen gestoßen. Grund genug, hier zu bleiben, zumal ich mein Tagesziel von dreißig Kilometern ohnehin erreicht hatte.

2 Kommentare

  1. Ein schöner ausführlicher Beitrag mit tollen Bildern, dagegen erlebe ich hier in Bilbao das genaue Gegenteil – Menschen, Verkehr, Kultur und Kommerz dicht gedrängt. Da sind meine Füße, glaube ich, platter als Deine.

    Und ruhiger ist die Nacht wohl auch,
    schlaf schön,
    wünscht Deine Sabine

    1. Oh, Du meine Herzallerliebste!

      Höre ich da etwa Frust über Bilbao heraus? Das tut mir leid! Ich hatte gehofft, dass Du einen rundrum gelungenen Tag dort verbringst. Aber dass eine so große Stadt stressig ist gegenüber meiner Einöde hier, das kann ich mir lebhaft vorstellen!

      Du, wohin auch immer Du gehst, ich begleite Dich in meinem Herzen. Ich wünsche Dir vorerst eine erholsame Nacht und morgen eine stressfreie Rückreise.

      Immer bin ich der Deinste
      Dein Burkard

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