Agés – Burgos (24,6km)

Dieser Tag hat mit so viel Ärger angefangen und endet doch so heiter! Kurz vor meinem Aufbruch in Agés, ich hatte schon alles fertig gepackt und wollte nur noch meine Schuhe anziehen, die in den Herbergen üblicherweise im Erdgeschoss in der Nähe des Eingangs in speziellen Regalen geparkt werden, da musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass sie nicht mehr da waren. Zwar standen dort noch viele fremde Paare, meines blieb aber trotz intensiver Suche verschollen.

Was also tun? Die Schuhe sind neben dem Pilgerpass und dem Eifon das wichtigste Utensil den Pilgers, weitergehen ohne sie ist nicht möglich. Also habe ich in der Herberge darauf gewartet, dass der Entführer meiner Meindls seinen Irrtum bemerkt und die Dinger zurückbringt. Aber alles Warten half nichts, sie blieben verschwunden. Mittlerweile hatten auch die Nachzügler die Herberge verlassen, zurück blieb nur ich und ein Paar Schuhe vom selben Typ wie die meinigen, nur eben eineinhalb Schuhgrößen kleiner. Ich habe meine Füße da reingezwängt und bin ein paar hundert Meter mit Ihnen gegangen. Aussichtslos! Die Zehen waren eingeklemmt und die Hacken scheuerten. Bis Burgos wäre ich so nie gekommen, ohne meine Füße für den Rest der Strecke zu ruinieren.

Also habe ich notgedrungen meine Saucony Hattori Freizeitschühchen angezogen, papierdünn, und für’s Gehen im Gelände nicht wirklich geeignet. Die fremden Meindls packte ich in meinen Rucksack. So ging ich dann etwa eineinhalb Stunden bis zur Bar in Cardeñuela Riopico. Dort traf ich einige der neunzehn Mitschläfer meiner letzten Herberge wieder. Bei allen habe ich die Schuhe kontrolliert und dabei tatsächlich ein Paar Meindls entdeckt, die mir sehr bekannt vorkamen. Der Übeltäter, dessen Füße darin steckten, war sich keiner Schuld bewusst, rückte aber nach einiger Zeit meine Schuhe im Tausch gegen seine wieder heraus, mitsamt einer knappen Entschuldigung. Was war ich froh, wieder unbefangen und bequem draufloslaufen zu können!

Und ab dann wurde es immer besser, strahlender Sonnenschein, perfekte Gehtemperatur, Kurt und Susanne getroffen und mit ihnen die Reststrecke bis Burgos gegangen. Dann den Schlüssel für das Appartement mit meiner Herzallerliebsten abgeholt und unsere Bleibe für drei Tage besichtigt und in Besitz genommen. Es ist noch viel schöner, als ich gehofft hatte! Den Rest des Tages bin ich durch diese wunderschöne Stadt flaniert, habe auf Parkbänken gesessen, Leute beobachtet, gelesen und gedöst, ein bisschen eingekauft und dann nach Sonnenuntergang in unserem Nest lecker zu Abend gegessen. Ist das Leben schön! Und morgen kommt die Frau meiner Träume!

3 Kommentare

  1. Lieber Burkard,
    man spürt – oder besser man liest sie – förmlich Deine Vorfreude: Du bist wohl in den Tagen etwas durcheinander geraten.
    Zu den Schuhen: Es gibt ja wohl ziemlich freche unverschämte Leute, oder?
    Zu Eurem Nest: Sehr modern, so ganz anders als bei Euch daheim.
    Eine schöne Zeit wünscht Euch beiden von ganzem Herzen
    Ulla

    1. Lieber Michael,

      danke für Deine Teilhabe! Ja, unsere Wiedersehensfreude war riesengroß und unser Abend war entsprechend atemberaubend. Heute ist ja unser Hochzeitstag, und wir liegen gerade noch mit unserem Morgenkaffee im Bett, freuen uns über das Traumwetter und überlegen, was wir zusammen anstellen wollen.

      Herzliche Grüße
      Burkard

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