Belorado – Agés (27,7km)

War das eine Erleichterung und Entspannung, als der Camino in Villafranca Montes de Oca endlich die N-120 verließ und in selbige, also die Gänseberge, abbog! Endlich kein Autolärm mehr in den Ohren und endlich nicht mehr diese breiten, schnurgeraden und geschotterten Trassen! Stattdessen ein paar knackige Steigungen, also genau das Richtige für mich.

Nach Überschreiten der Passhöhe ging’s zwei Stunden lang auf einer Feuerschneise durch einen Kiefernwald weiter. Das war mal wieder so richtig meditatives Gehen ohne jegliche Ablenkung.

Mein heutiges Etappenziel ist ein niedlicher Ort, dessen kulturelles Zentrum drei Pilgerherbergen bilden. In einer von ihnen habe ich ein Bett im Zehnpersonenschlafsaal ergattert, sogar ein unteres! Das Sightseeing habe ich schon absolviert, den Smalltalk mit den benachbarten Pilgern auch, sodass ich jetzt in Ruhe das Abendessen abwarten kann, das uns unser Herbergswirt um sieben Uhr servieren will.

3 Kommentare

  1. Schöne Stimmungsbilder heute wieder, man spürt förmlich Deine Erleichterung über den veränderten Weg – und bei den beiden Bäumen musste ich an Philemon und Baucis denken.

    Einen guten Sonntagsweg nach Burgos Dir nun und glückliches Wiedersehen morgen in Burgos wünscht Dir in grosser Vorfreude
    Deine Sabine

  2. …und damit Ihr die Geschichte nicht suchen müsst hier eine Kurzfassung:

    Philemon und Baucis

    In einem Dorfe voll wohlhabender Einwohner, so erzählt Ovid, lebte ein armes, aber zufriedenes und durch Eintracht und Liebe glückliches Ehepaar, Philemon und Baucis. Zu jenem Dorfe wandelten einst in Menschengestalt Zeus und Hermes, wie bisweilen die Himmlischen thaten, um die Sterblichen zu versuchen. Die Götter klopften an alle Thüren, bittend um Aufnahme für eine Nacht, doch keine öffnete sich. Nur die Ärmsten des Orts nahmen die Fremdlinge auf, und trugen willig herbei, was ihre Dürftigkeit vermochte. Dankbar segneten die Götter das frugale Mahl, und immer von Neuem füllte sich von selbst der Weinkrug. Da erkannten die Gatten, daß ihre Gäste Unsterbliche seien, und beteten sie an. Nun offenbarte sich der Gott der Götter gnädig und zürnend zugleich. Er führte die alternden Gatten auf einen Hügel, von dem sie sahen, wie schwellende Wasserfluthen heranbrausten und alle Häuser des Ortes und alle Bewohner verschlangen. Nur die Hütte des gastlichen Paares blieb stehen, und wölbte sich zum säulengetragenen Göttertempel. In diesem ferner den Göttern dienen zu dürfen und dann vereint zu sterben, ist Alles, was Philemon und Baucis erflehen, und gnädig gewährte der Göttervater diese fromme Bitte. Lange Jahre lebten als treue Hüter des Tempels die beiden Treuverbundenen, bis ihnen im hohen Greisenalter das Ende nahte. Aber Keines von beiden sah das Andere sterben, sondern zugleich wurden beide in starke Bäume, Philemon in eine Eiche, Baucis in eine Linde verwandelt, die vor dem Tempeleingang standen; und so umfingen sie einander mit dem Gezweig noch liebend nach der Verwandlung, und es rauschte das Lob der Gottheit durch die flüsternden Blätter.

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