Los Arcos – Logroño (29,0km)

Heute hat mich der Camino Francés in die Provinz Rioja geführt. Mein Etappenziel ist die Provinzhauptstadt Logroño, wo ich mir nach der trubeligen Herberge von gestern mal wieder ein bequemes Hotelzimmer gegönnt habe.

Auf dem Weg sind inzwischen so viele Menschen unterwegs, dass ich ständig jemanden vor mir sehe oder hinter mir spüre. Ich finde es gar nicht so leicht, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Die Menschen vor mir provozieren mich, sie zu überholen, was leicht ist, da ich mittlerweile viel schneller gehe als alle Anderen – damit werden sie zu den Menschen hinter mir – und die Menschen hinter mir hindern mich daran, Pausen zu machen, wenn es mir beliebt oder zu pinkeln, wenn ich muss. Den Bogen, trotz all’ der Anderen unbeeindruckt mein eigenes Ding zu machen, habe ich noch nicht raus; das Ergebnis wäre vermutlich auch reichlich asozial.

Ab und zu spreche ich mal mit jemandem ein paar Sätze. Die üblichen Smalltalk-Themen: “Wie heißt Du?”, “Woher kommst Du?”, “Wohin gehst Du?”, “Wie viele Kilometer schaffst Du am Tag?”, “Tun Dir die Füße weh?”, manchmal gar “Warum gehst Du den Weg?” sind schnell erschöpft und auf die Dauer in ihrer Wiederholung auch ermüdend und nicht wirklich interessant. Die sprachliche Verständigung ist dafür für mich leichter geworden. Die meisten Pilger kommen, so scheint es mir, aus Amerika oder Kanada, sprechen also nativ englisch.

Der Höhepunkt der heutigen Etappe war für mich die Kirche Santo Sepulcro in Torres del Rio aus dem 12. Jahrhundert, die mit ihren maurischen Stilelementen große Ähnlichkeit mit Santa Maria de Eunate von vorgestern aufweist. Leider ist es wegen der vielen Menschen nicht möglich, dort längere Zeit in Stille zu verweilen und den besonderen Raum auf sich wirken zu lassen.

Gegenüber meinem letzten Besuch hier in 2010 nehme ich den Camino heute viel oberflächlicher und kommerzialisierter wahr. Das macht die Sache zwar in den praktischen Kleinigkeiten erheblich bequemer, gestaltet für mich die Suche nach dem Sinn des Ganzen aber zunehmend kniffliger. Es fühlt sich an wie ein großer Wandertag. Ich habe ja glücklicherweise noch einige Zeit, gerade auch in dem Trubel das für mich Wesentliche zu finden.

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