Roncesvalles – Akerreta (30,6km)

Das war eine unruhige Nacht in diesem Riesenschlafsaal der Herberge von Roncesvalles! Viele haben geschnarcht, auch eine der drei Kanadierinnen in meiner Viererbox. Und ein Fenster durfte auch nicht geöffnet werden, weil die Damen verfroren waren und zudem auch noch ziemlich dünne Schlafsäcke hatten.

Als dann um Punkt sechs unsere holländischen Hospitaleros laut Gregorianische Gesänge vortragend zum Wecken durch die Flure zogen, war ich heilfroh, aufstehen und meinen Krempel zusammenpacken zu können. Auf die Massenabfertigung beim Frühstück im benachbarten Restaurant habe ich zugunsten eines zeitigen Aufbruchs verzichtet und stand so schon kurz vor halb sieben im Stockdunklen bei eisigen Temperaturen auf der Straße.

Da der Pilgerweg die erste halbe Stunde nur durch Wald führte, musste ich heute zum ersten Mal das Licht meines iPhones benutzen, um den Weg überhaupt zu finden und um im Dunkeln nicht über herumliegende Äste zu stürzen. Was für ein Glück, dass ich schon um sieben in der ersten Bar in Auritz meinen Morgenkaffee mit warmem Croissant bekam!
Der hervorragend ausgeschilderte Weg führte mich in seinem weiteren Verlauf bei schönstem Herbstwetter durch Aurizberri und Linzoain nach Zubiri. Da ich den Camino Francés vor fünf Jahren schon einmal gegangen war, kamen mir einige Ecken noch bekannt vor, ja, ich fühlte mich regelrecht heimisch.

Nach dreißig Kilometern in Akerreta beschloss ich, für heute aufzuhören. Es war zwar erst halb eins, aber dem schönen Hotel Rural konnte ich einfach nicht widerstehen. Außerdem will ich ja erst in zehn Tagen in Burgos sein und muss deshalb sparsam mit den verbleibenden Kilometern bis dorthin umgehen. Nach dem Getümmel von gestern ist so ein gediegenes Hotelzimmer mit eigenem Bad eine richtige Wohltat! Statt vor Toilette und Dusche Schlange stehen zu müssen, kann man einfach seinen Bedürfnissen nachgehen. Und den eigenen Krempel kann man auch beliebig ausbreiten und liegenlassen. Wie angenehm!

Kommentar hinterlassen