Nasbinals – St.-Chély-d’Aubrac (17,6km)

Da hat sich das Aubrac heute aber furios von mir verabschiedet! Als ich nach dem Frühstück bei leisem Nieselregen aufgebrochen bin, ahnte ich noch nichts Böses. Zudem hatte die Wetterprognose baldige Besserung versprochen. So glaubte ich, das bisschen Regen in bewährter Manier mit meinem treuen Schirm abhalten zu können.

Als ich hinter dem Ort auf der freien Fläche ankam, gesellte sich zu dem mittlerweile stärker gewordenen Regen noch ziemlich kräftiger Wind. Ehe ich mich versah, war ich trotz des Schirms bis auf die Knochen durchnässt und durchgefroren. Leider halten auch meine Schuhe nicht mehr dicht, sodass ich zusätzlich auch noch Nässe und eiskalte Füße bekam.

Sich in dieser Verfassung bei Sturm auf freiem Feld unter den neugierigen Augen der dort weidenden Rinder die Regenkleidung anzuziehen, ohne dass sie oder andere Teile des Rucksackinhalts dabei wegflogen, verlangte schon einiges an Konzentration und Körperbeherrschung. Ich war auf jeden Fall heilfroh, meinen Weg nun besser geschützt fortsetzen zu können!

Richtig warm geworden bin ich allerdings bis zu meinem Tagesziel St.-Chély-d’Aubrac nicht mehr. Wie schön, dass ich dort in einem hübschen alten Haus ein schnuckeliges Zimmerchen bekommen habe! Hier konnte ich mich unter der heißen Dusche endlich wieder aufwärmen. Und weil es noch so früh am Tag war, habe ich gleich auch noch große Wäsche gemacht. Nass war das meiste ja ohnehin schon, und bis morgen früh wird wohl alles trocken sein.

5 Kommentare

  1. Ups, Burkard,
    da hat es Dich ja voll erwischt. Was hältst Du zum einen von der Kleidung der finsteren Gestalt – wahrscheinlich gar nichts, weil sie vollgesogen mit Wasser viel zu schwer wird, zum anderen von der Wetter-App raintoday. Ein Regenradar zeigt Dir für die kommende Stunde die Wolken an.
    Lt. wetteronline wird es aber morgen besser!!!
    Wie schaffst Du es nur trotz des grauseligen Wetters noch so viele schöne Fotos zu machen? Mir wäre doch glatt die Lust vergangen …
    … und was hörst Du?
    Trockenes Pilgern wünscht Dir
    Ulla

    1. Liebe Ulla,

      na, ob traditionelle Pilgerkleidung mich besser geschützt hätte, ich weiß es nicht. Vermutlich wäre ich mit so einer Pelerine (die Franzosen nennen übrigens die Pilger sinnigerweise “Pélerin”) einfach weggeflogen bei dem starken Wind.

      Und ja, die Segnungen der modernen Technik habe ich selbstredend bemüht. Alle Prognosetools waren sich einig: Ab neun Uhr hört der Regen auf. Stimmte nur leider nicht. Morgen probiere ich mal Deinen Tipp, vielleicht raten die ja besser?

      Jetzt, wo ich wieder warm bin, kann ich’s ja gelassener sehen. Aber frieren – und das im August! – fühlt sich einfach erbärmlich an!

      Danke für Dein Mitgefühl und herzliche Grüße aus St.-Chély-d’Aubrac
      Burkard

    2. Ach, zu den Fotos wollte ich noch was sagen. Ist gar nicht so einfach, sich mit klammen Fingern das Händi aus der Tasche zu fummeln, das Kondenswasser wegzuwischen, zu zielen und an der passenden Stelle abzudrücken. Aber ich weiß ja, was ich Euch schuldig bin 😉

      Herzliche Grüße
      Burkard

  2. Obdach der Seele
    … daran fühle ich mich erinnert, wenn ich die Beschreibung deiner Ankünfte nach den rauen und schönen Märschen des Tages lese. Mir kommt es vor, als ob da ein Pilger buchstäblich das offene und weite Land “erfährt” und erobert – zwangsweise.

    Ich muss mal auf der Karte schauen, wo du so unterwegs bist. Als unregelmässiger Leser deines Blogs lerne ich einiges über Frankreich aus deinen Bildern und Beschreibungen. Deine Art des Kommentierens macht mir die Landschaft und deinen Tagesablauf dann auch gleich vertrauter!

    Wir waren zwischenzeitlich auch weg – in Wien und Kärntner Bergen! – Beim Wandern durch alte Zirbenwälder auf die kuppigen Gipfel vermeinte ich eine Weite und innere Ruhe zu spüren, wo ich und der Weg eins werden – und es stärkt.

    Das Wetter, ob schön oder garstig, erfordert dann auch ein ganzes Sortiment an geeigneter Kleidung. Gibt es für den Pilger 2015 einen Habitus der Einfachheit? – oder eine Gewichtsbegrenzung – beim Rucksack?

    Guten Schritt und liebenswürdige Begegnungen wünscht Dir Franz

    1. Lieber Franz,

      ja, das Buch von Paul Zulehner habe ich in Vorbereitung auf meinen Weg auch gelesen. Kam der Tipp nicht gar von Dir? Das Gefühl, sich auf den eigenen Füßen dieses weite Land und diese ewig lange Strecke zu erschließen, ist schon grandios! Erst in Santiago werde ich wirklich wissen, wie weit 3.200 Kilometer sind.

      In den Kärntner Bergen war ich noch nie, kann mir aber gut vorstellen, dass sich dort beim Wandern ähnliche Gefühle einstellen wie hier in Frankreich. Ich hoffe, Ihr hattet einen schönen Urlaub dort! Bei Gelegenheit erzählst Du mir mehr davon.

      Den Habitus der bewussten Einfachheit des Pilgers pflege ich – zumindest aktuell – nicht. Wie mir ohnehin jegliche Dogmatik immer suspekter wird. Es gibt daher Leute, die meinen, dass das was ich hier tue, mit Pilgern nichts zu tun hat. Mögen sie meinetwegen Recht haben und es selbst gerne anders machen!

      Meine Begrenzungen haben rein praktische Motive: Ich habe einfach keine Lust, mehr als unbedingt nötig mit mir herumzuschleppen. Das sind bei mir etwa sieben Kilogramm. Inzwischen weiß ich, drei Paar Socken sind eines zu viel, und zwei T-Shirts braucht auch kein Mensch. Hilfreich sind wasserdichte Schuhe, ebensolche Regenkleidung und bei höheren Temperaturen der gute alte Regenschirm.

      Herzliche Grüße aus dem hübschen Espalion
      Burkard

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