Saint-Privat-d’Allier – Saugues (24,1 km)

Da seit Le Puy-en-Velay die Hälfte der Strecke hinter mir liegt und ich mir für die zweite Hälfte viel mehr Zeit nehmen will, macht sich in mir eine wunderbar heitere Gelassenheit breit. Die schiere Länge des Weges hat ihren Schrecken verloren, die Reststrecke kommt mir beinahe kurz vor. Und bei diesem wunderschönen Wetter heute spüre ich schon ein leises Bedauern, dass mein Abenteuer bald zu Ende geht.

Der veränderte Charakter des Weges ab Le Puy-en-Velay, von mir auch gerne abschätzig als Pilgerautobahn tituliert, hat auch seine Vorteile. Die Navigation ist wegen der hervorragenden Wegmarkierung trivial, für Wasser, Snacks und auch die gegenteiligen Bedürfnisse ist in regelmäßigen Abständen gesorgt. Es ist fast schon so wie auf dem Camino Francés in Spanien. Ein völlig stressfreies Pilgerdasein also.

Nachdem ich in der zauberhaften Chapelle de Rochegude ausgiebig die Ruhe genossen hatte – auch leise zu singen habe ich mich getraut –, begann der halsbrecherische Abstieg nach Monistrol-d’Allier. Und – wer hätte das gedacht – ein fast ebenso steiler, und wegen der Mittagshitze richtig schweißtreibender, Aufstieg deutlich über das das Ausgangsniveau hinaus. Zum Glück hatte ich mich vorher in Monistrol-d’Allier beim Bäcker (?!) mit Keksen und meinen heißgeliebten Aprikosen versorgt und erst mal anständig Brotzeit gemacht.
Glücklicherweise habe ich keinen Reiseführer für die Via Podiensis. Die Eifon-App des Miam-Miam-Dodo, die ich mir für diesen Zweck gekauft hatte, ist so grottenschlecht, dass ich sie nicht gebrauchen kann. Ich weiß also überhaupt nicht, was auf mich zukommt.

Manchmal kann Nichtwissen ja auch ganz angenehm sein, vor allem macht es den Tag spannend!

Seit ich mich entschieden habe, erst am 28. September in Burgos anzukommen um dort mit meiner Allerliebsten unseren Hochzeitstag zu verbringen, ist mein Gehen so richtig schön entspannt. Ich werde die Via Podiensis in den geplanten 29 Etappen gehen und keinen Ehrgeiz an den Tag legen, möglichst viele Kilometer zu schaffen. Von der ersten Hälfte meines Weges weiß ich ja nun, was mir möglich ist, und nun ist es einfach ein gutes Gefühl, aus dem Vollen schöpfen zu können und auch an langen Steigungen nicht an meine Grenzen zu kommen. Es ist einfach sooo entspannend!

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