Taizé – Tramayes (37,8km)

Was für ein krasser Gegensatz, wenn man von Taizé nach Cluny kommt! So unterschiedlich können die Auffassungen vom monastischen Leben sein. Nun liegen ja auch zwischen dem Ordensverständnis der Cluniazenser mit ihrer Major Ecclesia – bis zum Bau des Petersdoms in Rom im sechzehnten Jahrhundert die größte Kirche der Christenheit – und der Communauté de Taizé fast tausend Jahre.

Der Tag begann entspannt auf der ehemaligen Eisenbahntrasse, die ich ja gestern nur kurz für den Abstecher nach Taizé verlassen hatte. Nach ewigem Singen gestern Abend in der Kirche hatte ich trotz des Gewusels der vielen jungen Leute bis in die frühen Morgenstunden unerwartet gut geschlafen. Schon vor Acht war ich in Cluny, wo ich die Zeit bis zur Eröffnung der Ausstellung (9:30 Uhr!) mit Einkaufen und Kaffeetrinken vertrödelt habe. Zwischenzeitlich entlud sich auch noch ein kräftiges Gewitter, sodass ich froh war, im Trockenen sitzen zu dürfen.

Die Cluny-Ausstellung gibt wenig her. Sie listet die Geschichte der Abtei und die wichtigsten handelnden Personen auf, zeigt einige wenige Exponate und die wenigen traurigen Reste der Major Ecclesia Cluny III. Am Interessantesten fand ich noch einen Film, der das riesige Kirchengebäude anhand einer Computersimulation erlebbar machte.

Gegen Elf hatte ich Lust weiterzulaufen. Ich hielt das achtzehn Kilometer entfernte Tramayes für ein passendes Tagesziel. Nicht klar war mir, dass unmittelbar hinter Cluny das Massif Central mit kräftigen Steigungen beginnt. Zwar war es nach der Gewitterfront auf beinahe arktische vierundzwanzig Grad abgekühlt, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit bin ich aber trotzdem reichlich ins Schwitzen gekommen. Heute ging’s auf knapp über sechshundert Meter, morgen sind tausend angesagt.

Nach der spartanischen Unterkunft gestern habe ich mir heute wieder ein Hotelzimmer gegönnt. Ist schon schön, wenn man sich ausbreiten kann, ohne ständig seine Siebensachen beieinander halten zu müssen, wenn man in Ruhe sich und seine Kleidung waschen und trocknen kann, wenn man unbehelligt faul rumliegen und Tagebuch schreiben kann …

4 Kommentare

  1. Lieber Burkard,
    Taizé ist sicher ein ebensolches Erlebnis wie Bayreuth, wenn auch auf anderer Ebene. Ich hatte fast erwartet, dass Du mindestens einen Tag bleibst.
    Die Kirche von Cluny mutet ja sehr pur, fast asketisch an. Das Bett auch mit einem sehr edlen Touch. Es sei dem Wanderer von Herzen gegönnt.
    Und schöne Fotos: Die Kuh schaut ja sehr verwundert auf den wandernden Zweibeiner.
    Du scheinst ja immer zu einer Zeit loszugehen, wenn Klaus ins Bett geht und ich im Tiefschlaf schlummere ? – völlig losgelöst vom Alltag.
    Angenehme Ruh und frohes Weitergehen wünscht Dir herzlich
    Ulla

  2. Lieber Burkard,
    wir haben gerade fasziniert Deine Route auf google maps verfolgt. Du kommst jetzt in Gebiete, durch die wir vor ca. 15 Jahren mit Raphael geradelt sind auf unserem Weg von Perpignan nach Bordeaux. Carcassonne und Cahors sind uns noch in guter Erinnerung nebst den kleinen Sträßchen durchs Massive Central. Eine wunderbare Gegend! Bei Deinem Tempo bist Du an Eurem Hochzeitstag in Santiago …, aber dazwischen liegen ja noch die Pyrenäen und viele Tage mit 30° C +.
    Alles Gute
    Ulla

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