Bannes – Auberive (40,3km)

Vor lauter Begeisterung über das Licht habe ich gestern ganz vergessen, etwas zur Wolkenentwicklung zu sagen. Wolken bestimmen ja maßgeblich unser Bild vom Himmel. Bei schönem Hochdruckwetter ist der Himmel am frühen Morgen meist wolkenlos oder er hat eine ganz dünne Wolkenschicht in mittlerer Höhe, eben die, die beim Sonnenaufgang rosa angestrahlt wird.

Im Laufe des Vormittags, wenn die Sonne den Erdboden hinreichend erwärmt und damit die morgendliche Bodeninversion aufgelöst hat, beginnt die thermische Vertikalbewegung der Luft. Man erkennt das ganz gut daran, dass die Greifvögel anfangen, ohne Flügelbewegungen zu kreisen und dabei Höhe zu gewinnen. Anfangs ist die Thermik noch schwach und nur an wenigen Stellen vorhanden. Man sieht deshalb oft mehrere Greife im selben Aufwindsystem kreisen. Ich sah heute Morgen um kurz nach Neun fünf Bussarde konzentrisch ihre Runden drehen. Wenn die Thermik dann stärker und verteilter wird, kreisen die Vögel lieber einzeln.

Auch drei Jungfüchse konnte ich heute Morgen längere Zeit auf einem Stoppelfeld beim Mäusejagen beobachten. Sie haben dabei eine etwas andere Technik als Katzen. Sie lauern nicht, sondern schleichen sich an ihr Opfer an und vollführen dann zwei oder drei schnelle Sprünge (sieht sehr putzig aus!); mit dem letzten erlegen sie die Maus. Oder auch nicht. Einer von meinen Dreien hat in meinem Beisein auf jeden Fall erfolgreich gejagt und sich seine wohlverdiente Mahlzeit sichtlich schmecken lassen. Leider hat mein Händi kein Tele, sodass mein Foto von einem der Drei leider ein Suchbild geworden ist.

Heute am späten Vormittag sprach mich in Noidant-le-Rocheux ein wildfremder Mann an, ob er mir etwas zu essen oder zu trinken geben könnte. Da ich eigentlich permanent Hunger habe, sagte ich zu. Er (Hubert) lud mich in sein Haus ein, und seine Frau (Maria-Lina) bewirtete mich üppigst. Im Gespräch – wir einigten uns auf Deutsch – stellte sich heraus, dass die beiden Schweizer sind und sich in diesem Ort das ehemalige Pfarrhaus gekauft haben, da sie aktuell in der Nähe arbeiten. Wie schön war das, endlich mal wieder längere Zeit mit zwei richtig netten Menschen zu sprechen!

Untergekommen bin ich heute in einem Gebäude der ehemaligen Abtei von Auberive, die nun vom Hotel “Auberge de l’Abbatiale” genutzt werden. Es ist so richtig alt und urig hier. Und zu allem Überfluss steht in meinem Zimmer sogar noch ein Klavier. Das habe ich schon fleißig genutzt. Wohlweislich hatte ich mir während meiner Reisevorbereitung einige Noten eingescannt und auf mein iPad kopiert. Die konnte ich jetzt nutzen, wie schön!

5 Kommentare

    1. Na ja, viel mehr kriege ich auch nicht hin; ein paar leichte Nocturnes von Chopin und andere leichte Stücke von Bach, Scarlatti, Busoni, Händel etc. Aber schön ist’s, dem eigenen (inzwischen glücklichen) Befinden mit den eigenen Händen Ausdruck verleihen zu können!

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  1. Lieber Burkard,
    wir haben heute Wagner und Liszt in ihren Museen besucht.
    … und die Klaviermusik von Liszt – frag’ mich nicht welches Stück – klingt einfach wunderbar. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt und nur gelauscht. Das tat der Seele gut. Insofern kann ich Dich gut verstehen, wenn Du ein paar Takte spielst und Dich einfach wunderbar fühlst.
    Viel Genuss und dann eine angenehme Ruh’ wünscht Dir herzlich
    Ulla

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