Euskirchen – Blankenheim (42,6km)

Mit einer ausgewachsenen Sinnkrise bin ich wachgeworden. Am Bahnhof von Euskirchen stand ich kurz in der Versuchung, auf den nächsten Zug zu warten und einfach nach Hause zu fahren. Ich glaube, wenn da einer gestanden hätte, ich wäre eingestiegen. Stand aber keiner…
Also bin ich weitergelaufen, zwar nicht besonders motiviert, aber was will man morgens um fünf in Euskirchen sonst tun? Irgendetwas muss ich finden, das meinen einsamen Tagen hier unterwegs Sinn gibt. Kilometer fressen alleine reicht nicht. In Spanien auf dem Camino mit vielen Menschen, die ansprechbar und häufig auch interessant waren, war’s bedeutend einfacher.

Eigentlich wollte ich heute mal ‘ne kurze Strecke laufen. Hat aber nicht geklappt, weil die Pension in Frohngau, die ich angepeilt hatte, leider nicht mehr existierte. Auch im benachbarten Engelgau war die im Führer verzeichnete Pension nicht mehr da. So blieb mir nichts anderes übrig, als noch die zwölf Kilometer bis Blankenheim dranzuhängen. So ist der Tag heute doch wieder länger geworden. Und die letzten vier Kilometer vor Blankenheim waren eine richtige Herausforderung, nicht körperlich, aber mental: Schnurgeradeaus durch den Wald, und das eine knappe Stunde lang; das zehrt!

Meine Sinnkrise ist aber immer noch da. Also, liebe Leute, jetzt brauche ich Eure Ermutigung! Und zwar eine richtig kräftige. Keine Beschwichtigung der Bauart “Kopf hoch, Burkard, Du schaffst das schon!” Das reicht nicht. Also, auch wenn Ihr bisher nur mitgelesen habt, jetzt denkt Euch mal was aus! Ich freue mich auf Eure Unterstützung!

15 Kommentare

  1. Lieber Burkard,
    Du bist doch kein Feigling, kein Waschlappen, kein Warmduscher – reiß’ Dich zusammen. Da musst Du durch. Das gehört dazu!
    Deshalb machst Du das ja, um hinter den Sinn zu kommen.
    Welchen Sinn hat Dein Leben?
    Warum machst Du das? Genau deshalb!!!
    Gerade diskutiere ich mit Klaus über Deine Situation.
    Warum pilgert man? Wenn Du uns hören könntest! Wir stellen nur Fragen – weißt Du Antworten darauf …
    Eigentlich geht es Dir ja gut. Du hast eine Herzallerliebste. Zusammen habt Ihr noch viele Pläne.
    Nach was suchst Du? Nach der Erleuchtung des Meister Eckart?
    Wir stehen hinter Dir!
    Ulla

  2. Lieber Herr Meyendreisch,

    Ihrem Aufruf komme ich selbstverständlich gerne nach und versuche mich darin, Sie wieder auf die “Spur” zu bringen:

    Herr Meyendriesch, so kenne ich Sie nun aber gar nicht. Sie sind doch eine gestandene Persönlichkeit, die sich nicht durch eine momentane “Sinnkrise” von seinem jahrelang geplanten Ziel abbringen läßt. Monatelang haben Sie sich vorbereitet und Ihnen war auch bewußt, dass es nicht einfach wird. Aber Sie sind es aus meiners Sicht sich selbst schuldig – und vor allem sind Sie sowohl körperlich als auch mental in der Lage – auch dieses Projekt (wie schon viele Projekte und Herausforderungen davor) zu dem von Ihnen gesteckten Erfolg zu führen. Als Projekterfahrene Leitungs- und Führungskraft müssen Sie auch wissen, dass es in jedem Projekt selbstverständlich Höhen und Tiefen gibt. Um so wichtiger ist es in einem Tief nicht aufzugeben, besonders nicht in einer solch frühen und bislang sehr erfolgreichen Phase. Hier ist jetzt Ihr Durchhaltevermögen, von dem ich weis und überzeugt bin, gefragt, um diese “Sinnkrise” und den inneren “Schweinehund” in seine Schranken zu weisen und zu überwinden. Zwar kann ich Ihnen im Urlaub keine Dienstanweisung geben, würde Ihnen – wenn ich es könnte – jedoch das durchhalten anordnen. Glauben Sie zudem nicht, dass Sie der einzige mit “Sinnkrisen” sind – und trotzdem haben wir unsere innere Verpflichtung und Motivation, die gesteckten Ziele zu erreichen und nicht aufzugeben. Es lohnt sich durchzuhalten.

    Da die Motivation nur von einem selbst ausgehen kann und andere diese durch ein entsprechendes Umfeld fördern oder aber auch abwürgen können, müssen Sie entscheiden, ob dieses für Sie hilfreich ist oder nicht.

    Viele herzliche Grüße und vor allem jetzt viel innere Stärke wünscht Ihnen aus der Ferne, aber in Gedanken bei Ihnen
    J.S.

  3. Hallo Burkard,

    Deine Situation erinnert mich an eine Bergtour vor fast 30 Jahren. Es war nur 1 Tag und auch nicht von langer Hand vorbereitet. Ich wollte nur auf einen Vorgipfel im Wilden Kaiser und es war früher Winter. Ich dachte, das würde so 3-4 Stunden dauern und deshalb hatte ich auch nichts mit zu Essen und zu Trinken. Es wurde ca. 9 Stunden durch den hohen Schnee. Ich kann mich noch heute an die Pausen errinnern: ich dachte, ich könnte nicht mehr und ich müsste kapitulieren, weil ich “nicht durchhalte”. Es war das erste Mal, bei der ich das Schöpfen von neuer Kraft aus dem Nichts kennengelernt habe.

    Ich wünsche Dir auch eine solche Kraft aus dem anscheinenden Nichts. Viel Glück.

    Micha

    1. Lieber Michael,

      danke für Deine Ermutigung! Ja, so eine Bergtour, die ganz anders verläuft, als sie geplant war, kann einen in ganz schöne Nöte bringen! Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Du Dich existenziell gefährdet sahst. Ein so intensives Erleben hinterlässt tiefe Spuren in der Erinnerung.

      Dagegen ist mein Dasein hier auf dem Jakobsweg unspektakulär und ungefährdet. Von den äußeren Bedingungen würde ich es sogar komfortabel nennen. Ich hadere eher mit dem Mangel an Reizen und Anforderungen gegenüber meinem sonstigen Leben. Bestimmt kriege ich vieles einfach noch nicht mit.

      Viele Grüße, Burkard

  4. Lieber Burkard, du bist frei, du hast freien Willens entschieden diesen Pilgerweg zu gehen. Keiner zwingt dich, es hängen keine äußerlichen Abhängigkeiten daran, kein Geld, nicht deine Existenz. Du bist frei jeden Tag neu zu entscheiden weiter zu gehen oder nicht. Ein Höchstmaß an Freiheit! Durchhalten muss man im Job, in Gefügen, die Druck ausüben können. Du musst nicht durchhalten, nicht für dich, für niemanden. Motivation ist nur dein Ich, nicht Geld, nicht Macht, nicht Erfolg, nicht Anerkennung. Was dir am liebsten ist, trägt dich, hat dir diese Freiheit geschenkt zu gehen, zugesagt dich mit ihrer Liebe zu begleiten, bedingungslos, selbstlos. Auch sie muss das aushalten und tut es für dein Glück, deine Freiheit. Was kann man Größeres schenken als das? Aber du musst es annehmen wollen und spüren können… Niemand kennt dein Wollen, deinen Beweg-Grund zu diesem Weg, nur du und nur du darfst entscheiden wie es weiter geht, ob du weiter gehst.
    Es gibt nichts zu beweisen, es gibt nur die Freiheit. Wir glauben, dass Gott genau das will, dass wir frei sind zu entscheiden, dass wir selbstbestimmt sind und nicht vorherbestimmt. Wir können immer nur den einen Weg gehen und wenn wir ihn gehen, können wir die anderen Wege eben nicht gehen und werden nie erfahren, was wir dadurch verpassen. Das muss jede und jeder für sich abwägen. Freiheit ist nicht immer leicht, aber ein unglaubliches Glück, überhaupt eine Wahl zu haben!
    Du wirst das Richtige für dich tun!
    Ein entschiedenes Wachwerden wünscht dir Gudrun

    1. Liebe Gudrun,

      danke für Dein flammendes Plädoyer für die Freiheit! Dazu passt ja gut das Bild des Weges. Häufig gibt es Abzweigungen und Alternativen. Und ein klares Ziel hilft mir, die jeweils dazu passende zu wählen. Mein Thema ist wohl im Augenblick die Suche nach dem Ziel (das ist natürlich nicht Santiago). Und genau damit wollte ich mich ja konfrontieren. Und ich hätte ahnen können, dass das nicht ganz leicht wird.

      Danke für Deine Hilfe und herzliche Grüße
      Burkard

Kommentar hinterlassen