Muxia – Santiago de Compostela (Busfahrt)

In aller Frühe aufgestanden und um halb acht den ersten Bus nach Santiago genommen. Nach gut fünf Wochen erstmals wieder mechanisch voranbewegt; ganz schön komisches Gefühl. Meine eigenen Beine und deren Rhythmus sind mir irgendwie lieber.

Ab jetzt bin ich auch kein Pilger mehr. Und ich fühle mich allein. Azziz traf ich gerade eben noch am Busbahnhof von Santiago; er ist bereits auf dem Heimweg nach Frankreich. Adson saß in meinem Bus, wollte aber in Santiago lieber wieder in seiner Herberge außerhalb wohnen. Ich hingegen zog es vor, wieder im Zentrum bei Marìa zu übernachten. So trennten sich auch unsere Wege.

Nun sitze ich gerade bei traumhaftem Wetter im Park der Universität von Santiago. Mein Frühstück und Mittagessen aus dem Supermarkt habe ich gerade beendet. Auch mein Zugticket konnte ich problemlos von Donnerstag auf morgen umbuchen.

Gleich werde ich mal in Richtung Universität laufen. Später noch Kacheln als Souvenir kaufen und dann – vielleicht in der Kathedrale – den Tag ausklingen lassen.

Einfach komisch so ein Leben als Nicht-Pilger: Die Füße wollen laufen, der Kreislauf will auf Touren kommen, die Sinne wollen Ruhe vor der Hektik der Stadt. Einfach immer weitergehen? Es gab ja gestern auch die andere Regung: Endlich ankommen, keine Herbergen mehr, durchschlafen, Intimsphäre.

Wie auch immer: Jetzt beginnt mein neues, anderes Leben. Auch ein Weg, aber nicht mit Gehen allein zu bewältigen. Ich hoffe, einiges von der Haltung des Pilgers bleibt mir: Das Ziel, der Augenblick, die Bewegung, die enge Verbundenheit mit Weggefährten.

Vermissen werde ich am Rande: Das Gewusel morgens in der Herberge: Der Erste wird wach und packt möglichst lautlos und im Dunkeln seinen Kram ein. Der Zweite, Dritte und Vierte machen‘s ebenso. Und bis der Letzte wach ist und das Licht anmacht, bin ich meist schon fertig und abmarschbereit.

Heute in Muxia war‘s wieder so: Alle wuselten leise im Dunkeln, bis irgendwer bemerkte, es seien ja ohnehin alle wach und das Licht anschaltete. Ich war gerade fertig und ging.

Über meine Erfahrungen auf der Via Regia hinaus habe ich auf dem Camino eine neue Dimension kennengelernt: Die Mitpilger und das Gespräch mit ihnen. Und überhaupt das Gefühl, nicht alleine zu sein mit meinen Anliegen und auf meinem Weg.

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